Fokusarbeit 21/22: Lichtermeer

Eine Fokusarbeit von: Rosa

Es ist schon dunkel. Hunderte Menschen versammeln sich am Tummelplatz in Graz. Überall Kerzen und Handytaschenlampen. Viele halten Karton-Schilder. Plötzlich hört man eine Stimme durch ein Megaphon. Die Demo beginnt. Ein Lichtermeer flutet den Platz. Musik erklingt und die Menschen rufen Sprüche. Der kleine Platz wird bald zu eng für die vielen Leute, doch schon setzt sich die Menge in Bewegung und zieht in Richtung Hauptplatz. Wir sind eine Einheit. Wir rufen alle gemeinsam Demo-Sprüche, singen zur Musik und kämpfen für unsere Zukunft. Was hat uns alle auf die Straße verschlagen? Es ist eine der ersten FFF-Demos in Graz. Meine Schwestern und ich sind natürlich gleich mit dabei. Wir treffen einige Bekannte. Die bunten Schilder messen sich mit den kreativsten Sprüchen. Auch wir haben ein Schild gebastelt. Wir bemalten es vor der Demo spontan mitten am Hauptplatz. Nun kommen wir langsam zum Zielpunkt. Die Veranstaltenden steigen auf die Stufen des Brunnens mitten am Platz. Der ganze Hauptplatz füllt sich. Es werden Reden gehalten von verschiedensten Menschen. Direkt hinter uns das Rathaus mit all den Politikern, die viel zu lange nichts getan haben. Können wir die Welt mit diesem Lichtermeer retten? Wahrscheinlich nicht, aber wir lassen Kampfgeist und Hoffnung in der Bevölkerung aufleben, der vieles bewirken kann.

Es ist März 2069. Genau vor 50 Jahren stand ich hier am Tummelplatz mit hunderten anderen, und für Klima, Umwelt und unsere Zukunft zu kämpfen. Doch hat es etwas verändert? Wir waren nur wenige von Millionen, die dafür weltweit auf die Straße gingen, doch wir waren Teil davon. Mir fällt auf, dass die Stadt viel grüner geworden ist. Es ist auch ruhiger auf den Straßen. Ich kann immer noch die Wärme der Lichter spüren, die an diesem Abend vor 50 Jahren Graz erhellten. Ich kann immer noch die Rufe und Sprüche hören, die uns alle aufrüttelten. Ich kann immer noch den Zusammenhalt unter all den Menschen spüren, die an diesem Kampf für unser Klima, unsere Erde, unsere Zukunft teilnahmen. Ich höre kaum Hupen oder Motorgeräusche. Stattdessen erfüllt das rege Treiben der Menschen, das Lachen der Kinder und das Zwitschern von Vögeln die Straßen.

Du bist zum ersten Mal hier? Schön ist es, nicht wahr? So war es nicht immer. Wir haben es geschafft, uns eine lebenswerte Stadt zu kreieren. Doch wir sind noch lange nicht fertig. Willst du Teil unserer Bewegung sein, Teil unseres Kampfes für Gerechtigkeit? Sei nicht schüchtern. Wir können jede Stimme brauchen, die unsere Geschichte erzählt. Nur weil es hier bei uns besser geworden ist, heißt nicht, dass der Kampf vorbei ist. Wir wollen für ALLE Menschen auf der ganzen Welt kämpfen. Jede:r soll eine lebenswerte Zukunft vor sich haben. Jede:r soll sich frei entfalten können. Jedes Lebewesen soll respektiert werden. Es ist ein langer Weg, doch wir können es schaffen. Wir, die Generation nach uns und alle die noch kommen werden, werden nicht aufgeben. Komm mit! Sei Teil des Kampfes für (Klima)Gerechtigkeit.