Fokusarbeit 21/22: Ankommen im Sesselkreis

Eine Fokusarbeit von: Anna

Die schwere Tür geht mit einem lauten Knarzen auf. Der Raum ist riesig. Sehr karg, aber schön hell. Er erinnert mich ein bisschen an eine Lagerhalle. In dem Raum sehe ich ungefähr zehn Menschen in einem Kreis sitzen. Es wirkt gemütlich. Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute. Ich kenne ja niemanden und habe Angst, etwas falsch zu machen. Da kommt ein junger Mann auf mich zu und sagt, ich könne mich gerne zu ihnen setzen, einfach einen Sessel nehmen und es sich gemütlich machen. Gesagt, getan und schon sitze ich in der etwas unaufgeräumten, von Farbflecken geschmückten Küche. Es riecht teilweise nach frischer Wandfarbe und einem wunderbaren Duft, den ich nicht benennen kann. Und schon geht die Besprechung los. Es wird über ehemalige Mithelfende gesprochen, den Plan für das kommende Jahr, Projekte und sonstiges. Auch wenn ich nicht wirklich etwas verstehe und kapiere, fühle ich mich wohl. Ich lächle und bekomme einen Grinser von der anderen Seite des Raumes zurück. Hier bin ich richtig. Hier will ich nicht mehr weg. Das Organisations-Büro wird zu meinem neuen Wohlfühlort werden.

Ich schleppe mich die vier Stockwerke hoch. Außer Atem stehe ich endlich vor der schweren, weißen Tür. Ich denke an den Tag zurück, als ich das erste Mal dort war. Damals streckte ich meine vor Aufregung zitternde Hand nach dieser Türschnalle aus und eröffnete mir meine neue Heimat. Mit diesem Gedanken im Kopf trete ich ein. Ein paar alte Gesichter lächeln mir zu, auch wenn sie sich nicht mehr an mich erinnern können. Dafür war ich zu selten dort. Die Halle schaut immer noch wie vor 50 Jahren aus. Vielleicht ein bisschen aufgeräumter. Wahrscheinlich hatten sie letzte Woche Aufräumtag. Ich schnappe mir einen Sessel und setze mich in den Kreis dazu. Diesmal nicht zur Küche. Diesmal setzte ich mich zum Tisch. Dort steht, wie bei meinem ersten Ankommen, ein Marmeladenglas mit einer braunen Flüssigkeit. Ich muss grinsen. Ich dachte damals, es wäre Abwasser gewesen. Und als es ein Mann getrunken hat, hätte ich kotzen können. Doch jetzt wünsche ich mir auch so einen braunen Schlaz. Da geht die Tür auf einmal auf. Schwerfällig drückt sich ein junges Mädchen dagegen und schlüpft mit einem unsicheren Blick schnell durch sie hindurch. Ich kenne dieses Gefühl nur allzu gut. Deshalb gehe ich gleich auf sie zu, sage „Hallo!“ und „Du kannst dir einen Sessel nehmen und dich zu uns dazu setzen.“, lächle und setze mich wieder hin. Die Besprechung beginnt. Im Unterschied zu meiner aller Ersten verstehe ich endlich die Themen, ich kenne die ehemaligen Mithelfenden, teilweise sogar besser als die derzeitigen, und schreibe gleich bei den brisanten Projekten mit. Auf einmal bemerke ich einen kleinen Lächler am anderen Ende des Raumes. Ich schaue auf und direkt in das strahlende Gesicht des neuen Mädchens. Ich schaue glücklich zurück und weiß, dass ich ab jetzt nie wieder eine Besprechung verpassen werde.