Podiumsdiskussion

Podiumsgäste diskutieren ein Thema aus ihren verschiedenen Blickwinkeln, das Publikum kann sich mit Fragen und Statements einbringen.

Eignung: 20 bis 100 TeilnehmerInnen
Zeitraum: 2 bis 2,5 Stunden
Planungsdauer:  2-3 Monate

 

Vorteile:

  • Darstellung verschiedener Positionen zeigt Meinungsvielfalt auf und fördert Bildung eines eigenen Standpunkts
  • Gängiges Format, das jeder kennt

 

Mögliche Schwierigkeiten:

Verlauf der Diskussion schwer vorhersehbar, vor allem, wenn man Podiumsgäste nicht persönlich kennt. Mögliche Szenarien:

  • Es entsteht keine Diskussion, da sich DiskutantInnen zu einig sind
  • Alle gegen einen: ein Podiumsgast wird zum „Sündenbock“, gegen den sich die anderen DiskutantInnen und das Publikum zusammenschließen
  • Einzelne DiskutantInnen oder VertreterInnen aus dem Publikum nehmen sich zu viel Raum und halten endlose Monologe

 

Materialien:  technische Ausrüstung: ein Mikrofon pro Podiumsgast und Moderation plus Funkmikrofon für Publikumsbeiträge

Praxistipps:

  • Moderation sorgfältig auswählen. Durch professionelle Moderation lassen sich viele der möglichen Schwierigkeiten vermeiden bzw. wieder in gute Bahnen lenken. Tipp: Liste an ModeratorInnen anlegen, die man bereits persönlich erlebt hat und gut findet, so kann man im Bedarfsfall rasch reagieren; bei Empfehlungen immer mehrere Meinungen einholen; vorab ein persönliches Vorgespräch durchführen
  • Detailliertes Briefing der ModeratorIn und Podiumsgäste, Regeln von vornherein klarstellen und bei Bedarf während der Diskussion darauf hinweisen, z.B. „Bitte Publikumsbeiträge als kurze Fragen formulieren, keine langen Monologe.“
  • Wasser für DiskutantInnen und Moderation zur Verfügung stellen, Karaffen und Gläser statt Einwegflaschen
  • Umfassender Technikcheck vor der Veranstaltung: Überprüfen, ob Projektor, Mikrofone, Soundanlage, Licht und Co funktionieren

 

Erfahrungen bei der Anwendung des Formats mit Jugendlichen:

  • Damit eine Podiumsdiskussion "jugendgerecht" ist, hilft es, eine junge/jugendliche Moderation zu wählen. Bei den "Green Days" moderierte etwa die Studentin Mira Kapfinger die Diskussion. Die Moderation bedient sich damit automatisch einer "jugendgerechteren" Sprache, stellt "jugendgerechtere" Fragen etc. Jugendliche haben - so die Rückmeldung der Jugendlichen, wenn wir "Jung-ModeratorInnen" im Einsatz hatten - das Gefühl, dass sie sich leichter einbringen und der Diskussion besser folgen können. Die Barriere, sich selbst zu Wort zu melden, sinkt. Kleine Fehler werden der Moderation auf jeden Fall verziehen - es ist wichtiger, dass sie "eine von ihnen" ist. Ein ähnlicher Effekt stellt sich ein, wenn Jugendliche als "Podiumsgäste" vorne mit diskutieren.
  • Bezug zur Lebensrealität! Keine von uns organisierte Diskussion war so erfolgreich wie die im Rahmen der "Green Days" 2013 zum Thema "Lebemsmittelabfall und Konsum". Das zeigte sich an der Lautstärke, Interaktion und Reaktion des Publikums vor Ort, aber auch in der Evaluation im Anschluss. Der Erfolgsfaktor war, dass das Thema jede und jeden der TeilnehmerInnen persönlich täglich betrifft - was kauf ich mir in der Pause, was esse ich, was werfe ich weg, wie sind die Lebensmittel verpackt etc. Jede/r hatte ein Meinung und Einstellung dazu. Zu abstrakte Themen oder zu weitentfernte hingegen, lösen wenig Reaktion aus. Themen wie "Waschmaschinenreparatur statt Neukauf" oder "Müllanlage im Wohnhaus" betrifft viele Jugendliche, die noch zu Hause wohnen, noch nicht oder nur wenig. Interessanter ist hier "Handyreparatur statt Neukauf" oder der Umgang mit Plastikverpackungen von Jausenbroten.
  • Je mehr Action desto besser! Diskussionen leben von konträren Meinungen. Je gegensätzlicher die Einstellung der DiskutantInnen, desto interessanter für junge Menschen.

 

Bewertung bei den Green Days: Ca 1/5 der Befragten beurteilte dieses Format mit „konnte dabei sehr viel zum Thema Abfallvermeidung mitnehmen. Da die Jugendlichen aber dazu aufgefordert wurden, direkt nach diesem Programmpunkt Rückmeldungen auf Moderationskarten zu schreiben, zeigte sich, dass mit der Podiumsdiskussion Aspekte angeregt wurden, an die die Jugendlichen zuvor nicht gedacht hätten, z.B. was ein Handy mit der Umwelt zutun hat. Podiumsdiskussionen können, wenn sie spannend gestaltet sind, neue Gedankengänge anregen und zur weiteren, vertiefenden Auseinandersetzung anregen. Bei den Green Days bot die Podiumsdiskussin somit einen guten Ausgangspunkt für die Vertiefung des Themas in Workshops und co. 

Fazit: Podiumsdiskussionen eignen sich als Impuls und zeigen die Breite einer Thematik. Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermittlung der Thematik mittels dieses Formates ist jedoch, dass Jugendliche aktiv eingebunden sind und die Diskussion mit ihnen auf Augenhöhe sowie in einer für sie verständlichen Weise erfolgt. 

 

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