Mobilideenpool

Bei großen Festivals zieht eine ganze Stadt um. Wäre es nicht wünschenswert, wenn diese "Stadt" nur öffentliche Verkehrsmittel benützen würde?
Grundlegender Gedanke des Mobilideenpools war es in Erfahrung zu bringen welche Wünsche/Forderungen junge Menschen im Kontext des Eventverkehres formulieren. Daraus resultiert der Mobilideenpool, welcher konkrete Ideen aufzeigt, wie der Eventverkehr für junge Menschen attraktiver wird und Informationen besser kommuniziert sowie Anreize für eine öffentliche Anreise geschaffen werden können. 

Vorrang für Flexibilität!
Einer der vorrangigen Gründe, warum  FestivalbesucherInnen mit dem Auto anreisen ist, dass sie  sich dadurch unabhängig fühlen und ihre An- und Abreise flexibel gestalten können. Ein entsprechendes, flexibles Angebot bei den öffentlichen Verkehrsmitteln ist daher wichtig. So besteht der Wunsch nach einer eng getakteten Verbindung (< 30 Minuten). Das gilt insbesondere für die Shuttlebusse, die das Gelände mit dem regionalen und überregionalen Öffentlichen Verkehr verbinden.

Ist der öffentliche Verkehr an Feiertagen oder in der Nacht ausgesetzt, braucht es somit auch unbedingt entsprechendem Ersatz (Shuttlebusse), um mit der Flexibilität der Autoanreise mithalten zu können Dieser sollte dann auch überregional verkehren (z.B. Festivalgelände – Wien/Linz/Graz…).

Zeig was du hast - Vorhandenes nutzen und kommunizieren!
Die bestehenden regionalen und kommunalen Verkehrsmittel bieten oftmals eine gute Basis. Die entsprechende Beschilderung sowie eine gute Kommunikation dieser Möglichkeiten sind sehr wichtig, da viele FestivalbesucherInnen mit dem örtlichen Angebot nicht vertraut sind. Eine Besprechung/Schulung des Fahrpersonals erleichtert die Bewältigung der üblichen, insbesondere aber der durch die Festivalsituation entstehenden, spezifischen Probleme (Party im Bus, viel Gepäck, Möbelstücke, Pflanzen, etc.) und verbessert in Folge das Erlebnis im Bus für alle Beteiligten. – Es gilt das Prinzip des geordneten Ausnahmezustandes, bei dem einfache Regeln und ab und an ein zu gedrücktes Auge hilfreich sind!

Wer weiß was es gibt? (Kommunikation)
Viele FestivalbesucherInnen haben einen Mangel an Möglichkeiten bei den öffentlichen Verkehrsmittel beklagt, den es so eigentlich gar nicht gab. Es fehlt oft schlicht an Informationen! Gerade für junge Menschen istdas Abonnieren von Informationen anstelle von eigener Recherche die gängige Methode, um sich zu informieren. Ein guter Tipp ist daher, den Festivalgästen alle Infos geordnet und klar zukommen zu lassen (Prinzip Newsfeed oder DIY Videotutorial).  Vermeide lange Texte und viele Links. Lesen ist out. Keep it short and simple! Alles auf einer Seite oder in einem Social Media Kanal. Facebook ist Pflicht, Youtube, Snapchat und/oder Instagram die Kühr! Für Fragen nicht nur E-Mail- und Telefonkontakt einplanen, sondern ebenfalls die sozialen Netzwerke. Bei jungen Menschen haben E-Mails den offiziellen Charakter, wie lange Zeit für die mittelalten Generationen der Brief per Post. Die niedrigschwellige Kommunikation läuft über soziale Kanäle, welche quasi als Trichter die Informationen bündeln und auch schon im Vorfeld filtern.Die Nutzung von Social Media Kanälen wird umso wichtiger, je jünger die BesucherInnen sind! Nicht nur das digitale Leben ist schnelllebig. Neben einer Regelmäßigkeit ist die Art und Weise der Kommunikation wichtig. Fotos und Videos haben lange Texte zum Teil abgelöst. Witzigkeit, Kreativ und ein wenig Banalität helfen Informationen zu vermitteln, schnell verständlich zu machen und FollowerInnen zu gewinnen.Viele Informationen werden erst unmittelbar vor der Veranstaltung abgefragt. Entsprechende Ressourcen einplanen! Informationen zu der öffentlichen Anreise sowie zu einem nachhaltigen Verhalten während des Festivals können durch Kurzvideos und Fotos illustrativ vermittelt werden.

Auch im Netz ist niemand auf sich gestellt. So ist es sinnvoll MitstreiterInnen bzw. KooperationspartnerInnen zu gewinnen, die online sehr aktiv sind und bereits viele FollowerInnen in der gewünschten Zielgruppe haben. Beispiele hierfür sind BloggerInnen, Youtube-Stars oder auch Acts, die am Festival auftreten.

Zielgruppen gerechte (Kommunikationskanäle und –partnerInnen)
Es gilt also nicht nur die richtigen Kanäle zu wählen, sondern diese auch entsprechend zu bespielen. Denn nur so kommen die Informationen auch zu der Zielgruppe. Sie müssen abonniert werden!
Es gibt bereits Seiten und BloggerInnen, die viele Menschen erreichen. Gewinne diese als PartnerIn und erreiche so eine Vielzahl an jungen Menschen.

Günstige Preise
Mobilität hat zwar ihren Preis, aber eine gesunde Umwelt ist unbezahlbar! ;) Generell haben wir die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen auch bereit sind für ihre Mobilität etwas zu zahlen. Allerdings gilt: je günstiger, desto besser. Dabei sollte das Gesamtpaket komfortabel und günstig sein. „Geiz ist Geil“ zählt nämlich bei langen Wartezeiten und überfüllten Shuttlebussen auch nur noch bedingt. Kombitickets helfen im Vorfeld den Kostenrahmen für die BesucherInnen übersichtlich zu gestalten, ein günstiges Angebot zu schaffen und eventuell auch FestivalbesucherInnen zu einer umweltfreundlichen Anreise mit den Öffis zu bewegen. Junge Menschen fahren oftmals mit einem knappen Budget zu einem Festival. Auf versteckte Kosten stehen sie gar nicht. Daher beugen gut kommunizierte All-in-One Preise einem Preisfrust während des Festivals vor!

Party ab zuhause: Die Anreise ist bereits Teil des Festivals
Der Besuch eines Festivals beginnt bereits bei der Abfahrt zu Hause. Für manche Partypeople vielleicht sogar schon beim Packen der Campingsachen. Extra Festival-Shuttles und coole Gimmicks verbessern dabei die Stimmung während der Anreise und steigern die Vorfreude. Sollte dann doch einmal der Bus oder die Bahn voller werden oder ein Shuttle auf sich warten lassen, hilft die bereits vorhandene Festivalstimmung in Bus oder Bahn diese Situationen zu überbrücken.  Die Anreise ist Teil des Festivallifestyles. Eine entsprechende coole Kampagne im Vorfeld kann helfen die FestivalbesucherInnen aus dem Auto in Bus und Bahn zu bekommen. Die Anreise sollte nicht notwendiges Übel sein, um zum Festivalgelände zu kommen, sondern ein zusätzliches Highlight für ein unvergessliches Festivalerlebnis.

Shuttlebusse von und zu  großen Städten
Reinsetzen, hinfahren, Party hard! Shuttlebusverbindungen aus und zu größeren Städten bieten für die FestivalbesucherInnen die bequemste Möglichkeit direkt zum Gelände zu kommen. Umstiege und Gepäckschleppen werden dadurch minimiert. In extra Bussen ist eine gute Stimmung und entsprechende Musik oftmals eher möglich als in öffentlichen Bussen oder Bahnen. Festivalzüge sind natürlich auch eine Alternative, aber unserer Meinung nach kein Muss.

Entsprechende Busverbindungen erleichtern auch die Abreise nach den Hauptacts und somit den Tagesbesuch.

Green Benefit
Nicht alle FestivalbesucherInnen sind direkt bereit, nachhaltig anzureisen oder vor Ort auf die Umwelt zu achten. Dabei stellt die große Masse an Personenkilometer im Eventverkehr sowie die Belastung mit Müll, Lärm, etc. die Umwelt auf eine harte Probe. Ein Bonus(system) kann die entsprechenden Anreize schaffen und die Folgen minimieren. Solche, laut Zielgruppe attraktive Bonuspunkte, die man für „umweltfreundliche Anreise“ bekommen könnte, sind etwa Upgrades für bessere Campingplätze, VIP-Tribünen oder Essensgutscheine. Darüber hinaus könnte es auch Fastlanes, Rabatte oder Gewinnspiele für umweltbewusst angereiste FestivalbesucherInnen geben.

Vor Ort checken statt schleppen
Die mitgenommene Menge an Gepäck ist ausschlaggebend für die Wahl des Transportmittels. Je weniger Gepäck mitgenommen werden muss, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die FestivalbesucherInnen für die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln entscheiden werden.

Zelthotels, Lieferservice für Bier und andere wichtige Dinge des täglichen Festivalbedarfs sowie entsprechende Angebote, benötigte Gegenstände vor Ort zu erwerben, fördern kleines und handliches Gepäck. Der Komfort ist auch hier wieder der ausschlaggebende Faktor. Das Optimum stellt dabei die gewohnte Versorgungsqualität im Wohnumfeld der Festivalgäste dar. In den Kofferräumen der Autos scheinen oft Dinge zu landen, die eigentlich gar nicht gebraucht werden. Den FestivalbesucherInnen ist wichtig, auf viele Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Auch hier ist eine entsprechende gute und zielgruppengerechte Kommunikation essenziell, um das örtliche Angebot zu bewerben.